Vorbezug zur Pensionierung

In der Nähe von Pfäffikon im Zürcher Oberland steht ein Brockenhaus für Segler. Da sind so allerlei Schiffe rund ums Haus und drinnen findet man so ziemlich alles, was zum Segeln benötigt wird. Mein Arbeitsweg führte mich täglich daran vorbei. Irgend wann stand eine kleine Segelyacht vor dem Haus, dem Wetter ausgesetzt und vor sich hin darbend. Die Linien des Schiffes waren ausgesprochen schön, so dass ich einmal anhielt und die Verkaufstafel studierte. Es war ein 15m2 SNS. Leider sah man durch die weisse Farbe bereits die Fäulnis durchschimmern und das Deck war auch ein einziger schwarzer Holzhaufen.

Als einmal meine Frau mit im Wagen sass und wir das Brockenhaus passierten, sagte ich zu ihr, dass ich das Schiff kaufen und restaurieren würde, wenn ich denn pensioniert wäre und somit Zeit hätte. Dazu würde ich den Stall in unmittelbarer Nähe unseres Hauses pachten, den wir früher schon für die Ponys unserer Tochter gemietet hatten.

Vergessen war das ganze. Und als ich einmal bei der Durchfahrt beim Brockenhaus feststellen musste, dass das Schiff weg war, kam wieder der Gedanke der verpassten Chance in mir auf. Wie damals beim Butz.

Kurz darauf war Weihnachten. So gegen Ende der Bescherung nahm meine Frau ein Kopftuch und verband mir die Augen. Ich musste nach draussen gehen und wurde in den Wagen verfrachtet. Nach einer holprigen Fahrt durfte ich aussteigen und wurde in ein Gebäude geführt. Als ich dann die Augenbinde abnehmen durfte, war ich platt. Ich stand 100 Meter von zu Hause entfernt im ehemaligen Pony Stall, den meine Familie heimlich in eine Werkstatt umgebaut hatte und mitten drin wartete der 15m2 SNS aus dem Brockenhaus auf die Restaurierung!

Und eine weitere Episode dazu: Kurz vor Weihnachten waren wir bei einem Segelkamerad eingeladen. Dabei war auch ein Bootsbauer, der immer wieder Restaurierungsobjekte sucht. Er erzählte von dem Schiff im Brockenaus und bedauerte sehr, dass es nicht mehr da war. Er wollte das Schiff übernehmen. Meine Frau wusste natürlich genau, wo es war, nahm aber angeregt an der Diskussion teil, dass man doch solche Schiffe restaurieren und für die Nachwelt erhalten sollte. Und was wohl nun mit dem schönen Objekt passieren würde.

So bin ich nun seit 4 Jahren dran, Atilan oder Surprise, wie ich den 15m2 SNS dann taufen werde, zu restaurieren. Ich geniesse jede Minute in der Werkstatt und freue mich über jeden cm2 Holz, der wieder in alter Schönheit erscheint.

In den kommenden Blogs werde ich darüber berichten.

 

 

 

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