Surprise hat Geschichte

Atilan 9-12 (26 von 210)

Als ich die Papiere studierte, fiel mir ein Messbrief aus dem Jahre 1968 in die Hände. Ich staunte nicht schlecht, als ich las, dass Atilan mit der Segelnummer 73 von Bjarne Aas konstruiert und gebaut worden ist. Als Baujahr ist 1951 angegeben.

Ich begann, nach Bjarne Aas zu suchen. Es dürfte wohl eine kleinere Sensation sein, denn Bjarne Aas zählte zusammen mit den Konstrukteuren  Johan Anker und CollinArcher zu den berühmten 3 A`s der norwegischen Konstrukteure.

Im Wikipedia findet man:

„Seine Jugendjahre verbrachte Bjarne Aas in Kristiania, das heutige Oslo. Früh lernte er das Segeln auf Jollen in der Leangenbucht in Asker. An der technischen Hochschule in Horten studierte er Schiffbau und arbeitete nach dem Examen als Schiffbauingenieur erst in Fredrikstad, dann in Bergen und in Tönsberg. Neben seiner Arbeit beschäftigte er sich mit der Konstruktion von Segel- und Motorbooten. 1916 gründete Bjarne Aas die Norsk Gearfabrikk AS (Norwegische Getriebefabrik AG) in Fredrikstad. Nach einigen Jahren veränderte er das Produktionsprogramm. Statt Getrieben wurden nun Boote gebaut.

Seinen internationalen Bekanntheitsgrad erwarb er sich vor allem durch den Entwurf und den Bau von weltweit erfolgreichen 6mR-Yachten und durch die von ihm 1936 entwickelten International-One-Design Boote (IOD-Einheitsklasse). Er entwarf und baute auch diverse Regattayachten der internationalen Meter-Klassen (10mR, 8mR, 5,5mR) Fahrtenyachten, Hochseekreuzeryachten, Lotsen-, Fisch- und Patrouillenkutter.

1922 entwarf und baute Bjarne Aas seine erste 6mR-Yacht, die Askladden. Als Regattayacht war sie nicht besonders erfolgreich. Im Eigentum des Bjarne Aas Museums segelt sie heute wieder nach einer Restaurierung.

1924 gelang ihm der Durchbruch zum international anerkannten Regattayachtkonstrukteur mit der 6mR-Yacht Elisabeth V. Die Yacht gewann die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Le Havre. Durch diesen Erfolg beflügelt, wurde Bjarne Aas fortan als der Herausforderer des großen Yachtkonstrukteurs Johan Anker angesehen. Im Jahr 1925 konstruierte und baute Bjarne Aas zwei 6mR-Yachten: Die Elisabeth VI, die mit dem Steuermann Eugen Lunde, den wichtigsten aller damaligen Pokale, den Goldpokal gewann. Die skandinavischen Meisterschaften des Jahres 1925 gewann die Bjarne Aas 6mR-Yacht Flaks.

In den 1930er Jahren war Bjarne Aas auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Yachtkonstrukteur. Er konstruierte und baute eine Reihe von 6mR-Yachten, die ihn in der ganzen Welt berühmt machten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konstruierte und baute Bjarne Aas eine Reihe von 5,5mR-Yachten, wie die Ding How, die Viking, aber auch die Norma VIII und Norma X des norwegischen Königs Olav.

1952 gewann die 6mR-Yacht Elisabeth X von 1947 den begehrten Goldpokal. Die Yacht segelt bis heute an der Spitze der aktiven klassischen 6mR-Yachten und wurde 2002 Vize-Europameisterin vor Kopenhagen.

In den 1960er Jahren geriet die Bootswerft von Bjarne Aas in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Neue Konstruktionsmethoden wurden im Bootsbau zum Standard. So optimierte Olin Stephens in den USA seine Yachtentwürfe durch Schlepptankversuche. Diese Methode lehnte Bjarne Aas kategorisch ab, da er der Meinung war, ein Yachtkonstrukteur habe sich auf sein Wissen, seine langjährige Erfahrung und sein künstlerisches Auge zu verlassen. Daneben kamen glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) als Bootsbaumaterial auf den Markt und verdrängten das Holz als klassisches Baumaterial. Bootsmasten wurden nun aus dem leichten Aluminium gefertigt statt aus verleimtem Holz. 1968 meldete Bjarne Aas für die Werft Konkurs an. Sie wurde dann geschlossen.“

Eine weitere Recherche ergab, dass im Schifffahrts Museum von Oslo in einem Verzeichnis aller Schiffbauten von Bjarne Aas Atilan aufgeführt ist. Der Besteller war Claude Bigar aus Genf. Ich werde noch nachforschen, ob noch Pläne vorhanden sind.  Im Verzeichnis sind welche aufgeführt. Bjarne Aas hat nur diesen 15m2 SNS gebaut. Da die Grundlage dieser Klasse ein 4mR  Klasseboot ist, liegt die Vermutung nahe, dass Herr Bigar  eine Anlehnung an die berühmten 5.5mR und 6mR Konstruktionen von Aas suchte.

Atilan oder Surprise, wie das Schiff neu heissen wird,  hat also Geschichte. Allerdings war es erschütternd, in welchem Zustand diese Rarität war. Mehr werde ich im nächsten Blog berichten.

 

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